← Zurück zum Blog

Bewerbung

Nach dem Nein: Was Einsteiger:innen in Pflege, MTD und Ordination aus einer Absage herausholen

Anna-Maria Inzinger
09. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit
Nach dem Nein: Was Einsteiger:innen in Pflege, MTD und Ordination aus einer Absage herausholen

Die Mail kommt an einem Dienstag um 16 Uhr. Zwei freundliche Sätze, austauschbar: Man habe sich für eine andere Bewerberin entschieden. Dabei waren am 9. Oktober 2026 auf medjobs.at 5.253 Stellen offen. Eine Absage im Gesundheitswesen heißt deshalb selten "zu wenig qualifiziert" – sie heißt meistens: in diesem Team, zu diesem Zeitpunkt hat jemand anderes besser gepasst.

Erst sortieren, dann grübeln

Das AMS unterscheidet auf seiner Seite zu Absagen zwei Sorten von Gründen. Die eine Sorte haben Sie in der Hand: unauffällige Bewerbungsunterlagen, fehlende Branchenerfahrung, unerklärte Lücken im Lebenslauf. Die andere nicht – etwa eine interne Nachbesetzung, eine bereits vergebene Stelle oder geänderte Anforderungen. Diese Trennung ist der ganze Trick. Wer sie macht, arbeitet an der nächsten Bewerbung statt an der eigenen Stimmung.

Ein zweiter Hinweis steckt im Zeitpunkt. Kommt die Absage sehr schnell, lohnt der Blick auf die Unterlagen. Kommt sie erst nach dem Gespräch, lag es eher am Gespräch – an der Art, wie Sie eine Dienstübergabe geschildert haben, oder daran, dass Sie auf die Frage nach dem Wunsch-Einsatzgebiet nur "egal, ich bin flexibel" geantwortet haben.

Die Nachfrage, die etwas bringt

Das AMS rät ausdrücklich, "mit den Personalverantwortlichen in Kontakt zu treten und zu fragen, woran Ihre Bewerbung gescheitert ist". Im Gesundheitswesen ist das meist einfacher als gedacht, weil im Inserat fast immer eine Ansprechperson steht – die tirol kliniken verweisen für Detailfragen genau darauf, die KAGes nennt für Karrierefragen die Adresse recruiting@kages.at. Halten Sie es kurz, sachlich und ohne Verhandlungsversuch:

"Sehr geehrte Frau Berger, danke für Ihre Rückmeldung zur Stelle als Pflegefachassistentin auf der Internen II. Ich bewerbe mich weiter in Ihrem Haus und würde gern dazulernen: Hat Praxiserfahrung auf einer internistischen Station gefehlt, oder war in meinen Unterlagen etwas unklar? Über zwei Sätze wäre ich dankbar."

Zwei Sätze sind realistisch. Eine ausführliche Analyse ist es nicht. Und wer die Entscheidung in Frage stellt, bekommt gar nichts – außer einem Eintrag im Gedächtnis der Personalabteilung.

Ein Haus hat viele Türen

Eine Absage von einer Station ist nicht das Urteil des ganzen Krankenhauses. Der Wiener Gesundheitsverbund schreibt in seinen FAQ, dass es "keine zentralen Eignungstests" gibt und es der jeweiligen Dienststelle obliegt, im Auswahlverfahren Arbeitsproben, Schnuppertage und Ähnliches einzusetzen. Heißt: Entschieden wird dort, wo Sie arbeiten würden. Die nächste Abteilung bewertet neu.

Mehrfach bewerben ist dabei kein Tabu. Der Wiener Gesundheitsverbund hält fest, dass die einzelnen Dienststellen sehen, wenn online eine Mehrfachbewerbung vorliegt – "jedoch nicht wo Sie sich noch beworben haben". Bei den tirol kliniken gilt schlicht: "Sie können sich auf eine oder mehrere Stellen gleichzeitig bewerben."

Beim Thema Initiativbewerbung gehen die Häuser dagegen auseinander, und das sollten Sie nach einer Absage prüfen, statt es zu raten. Die tirol kliniken bieten dafür ein eigenes Formular mit Wunschstandort und Berufsgruppe an. Der Wiener Gesundheitsverbund antwortet umgekehrt, freie Stellen würden auf der Karriereseite ausgeschrieben, man solle sich direkt auf eine passende Stelle bewerben.

Der unspektakulärste Absagegrund

Oft fehlt einfach ein Dokument. Für eine Pflegebewerbung am Landeskrankenhaus Innsbruck verlangen die tirol kliniken Lebenslauf, Motivationsschreiben, den Nachweis über die fachliche Qualifikation (DGKP, PFA, PA, OTA) und die Bestätigung über den Eintrag ins Gesundheitsberuferegister. Wer die Registerbestätigung nicht beilegt, weil sie "ja beantragt ist", liefert der Vorauswahl einen bequemen Grund.

Und: Funkstille ist noch keine Absage. Die KAGes schreibt zu ihrem Bewerbungsprozess, dass oftmals erst nach Ende der Bewerbungsfrist mit konkreten Informationen gerechnet werden kann, damit alle Bewerber:innen dieselben Chancen haben.

Den Suchkorridor verbreitern

Nach zwei Absagen hilft ein Blick darauf, wo im Gesundheitswesen überhaupt Bewegung ist. In der eigenen Auswertung der aktuell auf medjobs.at ausgeschriebenen Stellen (Stand 09.10.2026) liegt das ausgeschriebene Einstiegsgehalt im Median bei 3.211 Euro brutto pro Monat, ermittelt aus 682 Stellen mit Gehaltsangabe. Dahinter stehen sehr unterschiedliche Felder:

  • Sozialarbeit und Betreuung: Median 2.974 Euro, 200 Stellen – das größte Segment überhaupt
  • DGKS/DGKP: Median 3.347 Euro, 158 Stellen
  • Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz: Median 2.949 Euro, 89 Stellen
  • Wien: Median 3.671 Euro, 287 Stellen – Linz: 4.815 Euro, 46 Stellen

Das sind ausgeschriebene Mindestgehälter, nicht das, was am Ende am Dienstzettel steht. Als Landkarte taugen sie trotzdem: Wer nur auf Akutstationen in einer Stadt zielt, lässt den Großteil der Einstiegsmöglichkeiten liegen.

Ein letzter, sehr praktischer Punkt: In der Absage steht fast immer ein Name. Speichern Sie ihn. Das ist die Person, die Ihre nächste Bewerbung in diesem Haus öffnet – und die sich an eine freundliche Rückfrage erinnert.

Teilen:

Quellen

Kommentare

Noch keine Kommentare – sei die erste Stimme.