← Zurück zum Blog

Berufseinstieg

Das Praktikum ist schon die Bewerbung: Wie Pflege- und MTD-Einsteiger:innen ihren ersten Job aus den Praxisstunden holen

Anna-Maria Inzinger
05. August 2026 · 4 Min. Lesezeit
Das Praktikum ist schon die Bewerbung: Wie Pflege- und MTD-Einsteiger:innen ihren ersten Job aus den Praxisstunden holen

Die meisten Berufseinsteiger:innen im Gesundheitswesen bewerben sich zum ersten Mal an einem Ort, den sie längst kennen – sie waren dort schon im Praktikum. Nur nutzt kaum jemand diesen Vorsprung. Sechs Wochen auf der Station, ein freundliches Zeugnis, dann Funkstille bis zum Abschluss. Dabei wird in genau diesen Wochen entschieden, wer im Herbst eine Zusage bekommt.

Auf der Station beginnt das Auswahlverfahren

Eine Stationsleitung, die Sie sechs Wochen lang bei der Übergabe erlebt hat, braucht kein Bewerbungsgespräch mehr, um zu wissen, wie Sie arbeiten. Das ist die eigentliche Währung der Praxisphasen. Wer sie nur absitzt, verschenkt sie.

Praktisch heißt das: Fragen Sie in der zweiten Praktikumswoche, nicht am letzten Tag. Ein Satz reicht – "Ich schließe im Juni ab. Planen Sie für den Sommer Aufnahmen auf der Station?" Merken Sie sich, wer im Haus tatsächlich entscheidet. Das ist selten die Person, die Sie einschult: In größeren Häusern läuft die Aufnahme über die Pflegedirektion, die Stationsleitung wird aber gefragt, ob sie Sie will. Beide Namen sollten Sie am Ende des Praktikums kennen.

Und lassen Sie sich die Praktikumsbestätigung ausstellen, solange Sie noch dort sind. Nicht ein Jahr später per Mail an eine Adresse, hinter der inzwischen jemand anderer sitzt.

Was im Lebenslauf aus einem Praktikum wird

Der häufigste Anfängerfehler ist die Zeile "Praktikum, Krankenhaus XY, 2025". Damit steht dort nichts, was Sie von zwanzig anderen unterscheidet. Wer Praxisphasen über die gesamte Ausbildung verteilt absolviert hat, hat mehr zu erzählen – man muss es nur hinschreiben.

  • Fachbereich statt Haus: "Interne Abteilung, Schwerpunkt Diabetologie" sagt mehr als der Trägername.
  • Zwei Tätigkeiten, die zur ausgeschriebenen Stelle passen: Wundversorgung, Aufnahme- und Entlassungsdokumentation, Mitarbeit im Nachtdienst. Nicht die vollständige Liste – zwei, die treffen.
  • Dauer in Wochen oder Stunden, weil Personalabteilungen im Gesundheitswesen genau damit rechnen.
  • Ähnliche Kurzeinsätze zusammenfassen, statt sieben Stationen einzeln aufzulisten.

Für das Anschreiben gilt laut AMS bei Praktikumsbewerbungen: "Ein Bewerbungsschreiben für ein Praktikum sollte maximal eine A4 Seite lang sein." Ebenfalls vom AMS, und erstaunlich oft ignoriert: "Versenden Sie Ihre Bewerbungsunterlagen immer als PDF und nicht als Word-Datei."

Die Initiativbewerbung nach dem Praktikum

Viele Stellen im Gesundheitswesen werden besetzt, bevor sie ausgeschrieben sind – weil jemand rechtzeitig angeklopft hat. Eine Initiativbewerbung besteht dabei laut AMS aus denselben Unterlagen wie jede andere Bewerbung, es fehlt nur die Ausschreibung, auf die man sich bezieht. Sie haben etwas Besseres: den gemeinsamen Zeitraum.

Der Einstiegssatz schreibt sich fast von selbst: "Von 4. Mai bis 12. Juni 2026 habe ich meine Praxisphase auf der Station 4B (Innere Medizin) bei Stationsleiterin Maria K. absolviert. Ich schließe mein Studium Ende Juni ab und würde gerne ab September in Ihrem Haus beginnen." Danach ein Absatz, warum ausgerechnet dieses Haus – konkret, mit etwas, das Sie dort gesehen haben. Ein Standardtext, in den nur der Trägername getauscht wurde, fällt in einer Pflegedirektion sofort auf.

Zum Zeitpunkt: Drei bis sechs Monate vor dem Abschluss ist realistisch, weil Dienstpläne und Nachbesetzungen mit Vorlauf geplant werden. Denken Sie daran, dass Absolvent:innen des gehobenen Dienstes sich vor Berufsantritt im Gesundheitsberuferegister registrieren lassen müssen, wie die Arbeiterkammer Oberösterreich festhält. Das ist keine Formalie für später, sondern ein Punkt, den Sie im Gespräch von sich aus ansprechen sollten.

Was am Gehaltszettel realistisch ist

Ein Blick auf die Größenordnungen, mit denen Sie in die Verhandlung gehen: In den aktuell auf medjobs.at ausgeschriebenen Stellen liegt das angegebene Mindestgehalt für den gehobenen Dienst (DGKS/DGKP) im Median bei 3.409 Euro brutto pro Monat, die mittlere Bandbreite reicht von 2.978 bis 3.820 Euro (151 Stellen mit Gehaltsangabe). Für Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz liegt der Median bei 2.949 Euro, über alle Gesundheitsberufe hinweg bei 3.200 Euro. In Wien sind es im Median 3.422 Euro – eigene Auswertung der aktuell auf medjobs.at ausgeschriebenen Stellen, Stand 05.08.2026.

Diese Zahlen sind ausgeschriebene Mindestgehälter, nicht das, was am Ende überwiesen wird. Zulagen für Nacht-, Sonn- und Feiertagsdienste kommen dazu, ebenso eine mögliche Anrechnung von Vordienstzeiten. Ob und in welchem Ausmaß Praxisphasen aus der Ausbildung dabei zählen, hängt vom jeweiligen Träger und dem anwendbaren Dienstrecht oder Kollektivvertrag ab – fragen Sie das vor der Unterschrift konkret bei der Personalabteilung nach, pauschal lässt es sich nicht beantworten.

Wenn es im Praktikumshaus nicht klappt

Dann fragen Sie nach dem Grund und nach dem nächsten Termin. Häufig ist die Antwort nicht "nein", sondern "nicht jetzt" – weil Dienstposten an Budgetjahre oder an Karenzrückkehrer:innen gebunden sind. Notieren Sie sich den Monat, den man Ihnen nennt, und melden Sie sich dann tatsächlich. Wer nach einer Absage höflich nachfasst, steht beim nächsten frei werdenden Posten schon auf der Liste.

Teilen:

Quellen

Kommentare

Noch keine Kommentare – sei die erste Stimme.